Warum gibt es in Hamburg so viele Gegner der Schulreform? Ich habe mich gefragt, weshalb eine Initiative, wie “Wir wollen lernen” so viel Erfolg haben kann, obwohl die Schulreform für die meisten Menschen direkt erst einmal keine Veränderungen im Leben bedeuten würde.
Ich bin der Meinung, dass es durch viel Geld und etwas Geschicklichkeit erreicht wurde, dass viele Menschen an dem Thema interessiert sind. Marketingexperten wurden beauftragt mit dem Geld von wohlhabenden Privatpersonen und Unternehmen eine Strategie zu entwickeln. Der Senat hat den Initiatoren von “Wir wollen lernen” Steine in den Weg gelegt, indem im vergangenen März Veränderungen der Schulreform eingebracht haben. Vor diesem Termin war der wichtigste Angriffspunkt die geplante Änderung im Elternwahlrecht. Als diese Änderung aber rückgängig gemacht wurde, gab es auch automatisch wesentlich weniger Gründe gegen die Schulreform.
Daher wirbt z.B. die FDP mit dem Slogan “Für ein echtes Elternwahlrecht” – so als ob noch immer eine Änderung des Elternwahlrechts geplant sei, d.h. es wird mit den unbegründeten Ängsten der Eltern gespielt.
Warum aber gibt es trotzdem immer mehr Schulreformgegner, obwohl der Rechtsanwalt und Initiativen-Sprecher Walter Scheuerl kaum jemandem sympatisch erscheint. Vielmehr ist mir persönlich noch keine Person begegnet, die Hernn Scheuerl eine Gebrauchtwagen abkaufen würde. Es muss also an irgenwelchen offiziell ungenannten Gründen liegen und dieses Phänomen interessiert mich. Daher habe ich eine vollkommen unrepräsentative Umfrage im Bekanntenkreis gestartet.
Im privaten Kreis habe ich von Reformgegnern folgende Argumente gehört:
- Ich möchte nicht, dass mein Kind mit so vielen asozialen Kindern in eine Klasse geht.
- Das Gymnasium ist die einzige Schulform, die meinem Kind Schutz vor prügelnden Schülern gewährt.
- Mein Kind soll mit anderen plietschen Kindern zusammen lernen und nicht von leistungsschwächeren Kindern abgelenkt werden.
- Leistungsschwache Kinder und leistungssarke Kinder sollen schnellstmöglich voneinander getrennt werden.
- Die Schulreform ist viel zu teuer und das jetzige System ist doch auch in anderen Bundesländern erfolgreich.
- Das bestehende System hat dazu gefürt, dass Deutschland im internationalen Vergleich wirtschaftlich so gut dasteht.
- Mein Kind hat vielleicht Schwierigkeiten dem Unterricht zu folgen, wenn es gemeinsam mit “eigentlichen” Gymnasiasten lernen muss.
Angst vor Veränderungen prägen die meisten Aussagen. Eltern meinen, dass es gar keinen Reformbedarf gibt, da alles gut ist, wie es bisher läuft. Die Vorteile der Reform sind kaum bekannt oder nur schwer zu greifen, da man nur sehr umständlich einen Vorteil für das eigene Kind ersehen kann. Eltern von Schülern, die ihre Kinder als leistungsschwach ansehen, befürchten Nachteile für ihre Kinder.
Kostenlose Zalando Einkaufsgutscheine
-